Geschichte der Fechtergilden erzählt von Carl Albanesi

Carl Albanesi war Meister und Lehrer der Fechtkunst an der an der seit 1785 bestehenden k.k. medizinisch-chirurgische Josephs-Akademie (Josephinum) und gab Fechtkurse für die k.k. militärische Grenzverwaltung. Er hatte seine Fechtschule in Wien Wieden in der Neugasse 547 (bzw. Waggasse 492)Carl Albanesi gründete am 13. März 1865 den “Ersten Wiener Fechtverein Mars”, den ersten Fechtklub im heutigen Österreich, der sich allerdings schon 1877 wieder auflöste. Sein Buch „Theorie der Fechtkunst, nebst einer Anleitung zum Hiebfechten und zum praktischen Unterrichte“ wurde 1862 veröffentlicht. In diesem Buch berichtet er von den Fechtergilden wie nun folgt:

Am meisten mussten eigentliche Fechtübungen durch die Ausbildung des Ritter und Turnierwesens gefördert werden, welches bekanntlich Heinrich der Vogler zum Schutze gegen die Angriffe der Hunnen in Deutschland einführte und zur Nationalsache machte.

Mit dem Aufblühen der Städte erlangten die Bürger derselben dem Adel und den Fürsten gegenüber ein eigentliches Waffenrecht, welches sie ebenfalls turnierfähig machte, woraus sich annehmen lässt, dass unter ihnen auch die Fechtkunst betrieben wurde, da sie dieselbe namentlich zum Schwertkampfe auf den Turnieren brauchen konnten.

Wie sich aber damals alles in Zünfte Gilden oder Innungen vereinigte, so finden sich schon frühzeitig dem Bürgerstande angehörige privilegierte Fechtergesellschaften. Die älteste derselben in Deutschland war in der freien Reichsstadt Frankfurt a. M. unter dem Namen der Brüderschaft von St Markus vom Löwenberge, unter einem Hauptmanne und vier Meistern zusammengetreten.

Wenn ihnen gegenüber Einer als Meister auftreten wollte, so hießen ihn diese Marxbrüder wie sie sich nannten, alsbald zusammen, dass er sich entweder in die Schule gab, oder ganz von seinem Wunsche, Meister zu sein abstand. Dadurch kam die Frankfurter Fechtschule sehr in Ruf, so dass auch wer der Waffenkundig war und in Deutschland eine Fechtschule halten wollte, in der Herbstmesse nach Frankfurt zu ziehen pflegte. Dort ward er von den Meistern des Schwertes probiert, d.h. der Hauptmeister und die vier anderen Meister fochten öffentlich vor den Augen der Bürger mit ihm. Bestand er bei der Probe, so ward er mit dem großen Prunkschwerte kreuzweis über die Lenden geschlagen, wofür er zwei Goldgulden für die Brüderschaft aufs Schwert legte, und empfing dann die Heimlichkeit, die in allerlei Kunstgriffen bei der Führung des Schwertes bestand. Nun, durfte er das Wappen der Marxbrüder, einen Löwen, führen und in ganz Deutschland das Fechten lehren.

Das Privilegium der Marxbrüder ward erneuert vom Kaiser Friedrich den 10. Mai 1480 in Nürnberg, von Marmilian I. am 27 September 1512, von Marmilian II. den 6 Mai 1566 in Augsburg, und von Rudolf II am 10 Juli 1579 zu Prag.

Das Fechten verbreitete sich nun in Deutschland immer weiter, so dass sich auch andere nicht privilegierte „Fechtereien“ bildeten, unter denen die berühmteste und verbreitetste die der Federfechter war (Feder, castrum foederis, eine Burgruine in Tyrol). Diese Federfechter machten bei ihrem Umherziehen in Deutschland Anschläge gegen die Marxbrüder und forderten sie öffentlich auf mit ihnen auf Stoß und Hieb ehrlich zu fechten, weshalb sich auch die Marxbrüder allmählich mit der Feder bekannt machten. Sie führten einen Greifen im Wappen, den sie von einem Herzoge von Mecklenburg erhalten haben wollten, nannten sich Freifechter von der Feder von Greifenfels und hatten den heiligen Veit zum Patron.

Ihr Hauptmann, nebst Lade und Urkunden war in Prag, der Oberhauptmann beider Gesellschaften als ihr Vertreter und Anwalt, aber beständig im kaiserlichen Hoflager. Beide Gesellschaften hatten gleichen Fechtbrauch und gleiche Fecht und Ringgesetze, wonach Augen und Schüftstoß, so wie Bein und Armbruch verboten waren. Ehre, Zucht, Sitte, Treue und Glauben waren ihnen heilig und wer dawider handelte, wurde für einen untüchtigen Meister erkannt und aus der Zunft ausgeschlossen.

Mit der Verbreitung der Feuerwaffe kamen auch die genannten Gesellschaften der Bürger und Handwerker in Verfall, und an ihre Stelle traten die Schützenkompagnien. Dagegen erhielt sich das Fechten als Bestandteil einer ritterlichen oder adeligen Erziehung an den Kadetten und Militärschulen, und auf den deutschen Universitäten, wo man das Recht in Anspruch nahm den Degen als Zeichen des Adels zu tragen.

Nach dem dreißigjährigen Kriege während eine unerhörte Zügellosigkeit und Missbräuche des Waffentragens und Duellierens auf den Universitäten eingerissen, waren suchte man das Degentragen möglichst wieder einzuschränken. Am Ende des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts siegte jedoch die Mode über das Gesetz nach welcher nicht nur Studenten, sondern alle den höheren Ständen angehörige Männer Degen trugen und tragen mussten, wenn sie vor ihre Oberen traten oder in Gesellschaft erschienen.

Plagiat

Wir sind heute eher in der Lage, einen Text auf ein mögliches Plagiat zu untersuchen als das im 19. Jahrhundert der Fall war. Zu dieser Zeit schrieb man munter allgemeine Artikel ab, formulierte sie um. So überrascht es nicht besonders, dass dieser Abschnitt über die Geschichte des Fechtens fast wortgleich nicht nur im Büchlein “Geschichte der Fechtkunst” von Josef Ott im Jahr 1853 (ab Seite 14) als Zusatz zu seinem Fechtbuch erschien. Wo nun dieses Kapitel in diesem oder sehr ähnlichen Wortlaut zuerst erschien, haben wir nicht untersucht. Ein ausführlicheres Kapitel mit fast wortgleichen Sätzen findet sich schon bei Friedrich Anton Wilhelm Ludwig Roux aus Jena um 1840. Der Fechtmeister Albanesi war zumindest nicht der erste, und vermutlich auch nicht der Schreiber dieser Abschnitte, sondern der Herausgeber.

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